

Die erste Person, mit der ich nach meiner Ankunft in Buenos Aires gesprochen habe, war mein Mitbewohner Joseph. Er war – genau wie ich – gerade erst in der Stadt angekommen und sichtlich überfordert mit der Großstadtatmosphäre. Voller Begeisterung erzählte er mir von seinem Fahrradtrip über die famose, mir damals noch unbekannte, Carretera Austral. Je mehr er mir davon erzählte desto größer wurde mein Wunsch diese Strecke auch zu erkunden. Doch was hat es mit dieser Route auf sich?
Nachdem wir die Torres del Paine überwunden und uns in Puerto Natales resozialisiert hatten, folgte die weitere Reiseplanung gen Norden. Plötzlich tauchte die Carretera Austral auf dem Radar auf. Die auch als Ruta 7 bekannte Straße verläuft durch den Süden Chiles, parallel zur argentinischen Ruta 40 – mit über 5.000 km Länge eine der längsten Fernstraßen der Welt, die den gesamten Westen Argentiniens durchquert. Nach wie vor reizte mich diese scheinbar weniger bekannte Alternative um unseren Weg nach Santiago fortzusetzen. Immer wieder musste ich an Josephs Erzählungen denken.
Es gibt mehrere Möglichkeiten auf die Route zu kommen. Für Autos ist das untere Viertel eine Sackgasse, sodass der Zugang nur über das argentinische Los Antiguos möglich ist. Für Backpacker besteht wohl seit einigen Jahren die Möglichkeit via El Chaltén ans südlichste Ende der Carretera Austral zu kommen. Passt perfekt – dort wollten wir sowieso hin. Somit war der nächste Zwischenstopp definiert.
El Chaltén wird auch als Trekking-Hauptstadt Argentiniens bezeichnet und ist ein wahres Paradies für Outdoor-Liebhaber. Der Abzweig, der von der Ruta 40 in das beschauliche Örtchen führt, steuert auf ein atemberaubendes Andenpanorama zu. Wir erreichten den Ort bei traumhaftem wolkenlosen Himmel. Schon von weitem sahen wir die beiden Ikonen El Chalténs – den Cerro Torre (3.128m) und den Mt. Fitz Roy (3.405m).
Da sich der Ort im Nationalpark Los Glaciares befindet, mussten wir zunächst im Office stoppen um den Ausführungen der Park-Ranger zu lauschen. Aha, es gibt also sechs Paare Huemules (eine Art Reh) im Park. Jeder der ein Exemplar sieht soll sich bitte bei den Rangern melden damit sie mehr Informationen über diese äußerst scheuen Wesen sammeln können. Ist notiert. Weiterhin machten uns die Ranger darauf aufmerksam, dass das Wetter momentan außergewöhnlich gut sei und wir den heutigen Tag sowie den Folgetag unbedingt nutzen sollten, um Treks zu den Viewpoints der beiden Gipfel zu unternehmen. Gesagt, getan – wenig später hatten wir wieder unser Trekking-Outfits an und es ging zum Cerro Torre. Ich hatte letztes Jahr zum ersten Mal von diesem Gipfel gehört, der unter Bergsteigern zu den schwierigsten Gipfeln der Welt zählt. Die Faszination dieses Gipfels wurde auch im gleichnamigen “Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“ thematisiert. Für heute reicht uns aber der Viewpoint, der den Gipfel bereits eindrucksvoll genug erstrahlen ließ. Bergsteigen machen wir dann vielleicht beim nächsten Mal.
Am zweiten Tag sind wir dann zusammen mit einem argentinischen Pärchen in Richtung Mt. Fitzroy aufgebrochen. Den Gipfel die ganze Zeit vor Augen verlief die Wanderung zunächst recht easy. Nur das letzte Stück hatte es in sich. Nach einer Stunde steilem Anstieg kamen wir total verschwitzt am Fuße des Berges an. Vor einem erneut fantastischen Panorama lud die türkisfarbene Lagune zu einem erfrischenden Bad ein. Da es sich hierbei um einen Gletschersee handelt kann man sich in etwa vorstellen wie arschkalt es war.
In den darauffolgenden Tagen hat El Chaltén sein wahres Ich gezeigt – wolkenverhangene Berge, Nieselregen und orkanartige Windböen. Weiteres Trekking fiel somit flach. Solchen Bedingungen würde unser Zelt nicht standhalten. Neben Trekking hat dar Ort auf dem Papier nicht viel zu bieten. Handyempfang gibt es erst seit 1-2 Jahren, von Internet hat man maximal schon einmal gehört und der einzige Geldautomat im Ort war kaputt. Dafür konnte Sebastian, der Hostelbesitzer, mit einer wahnsinnigen DVD-Sammlung von Action-Movies über Horrorfilme bis Heavy-Metal-Live-Konzerte auftrumpfen. Genug um einen atomaren Winter durchzustehen. Ich habe es jedoch vorgezogen die entspannte Atmosphäre zu genießen. Der Ort lädt wirklich zum Verweilen ein. An jeder Ecke gab es eine Panadería (dt. Bäcker), die alle der Reihe nach ausprobiert werden wollten. Außerdem hat es nicht lange gedauert, bis wir die Chocolatería der Stadt ausfindig gemacht hatten. Ein äußerst muckeliges Plätzchen mit fantastischer Sicht auf den Mt. Fitzroy – sofern keine Wolken davor hingen. Es verging kein Tag an dem wir nicht den leckeren selbstgemachten Kuchen oder einen der Brownies gekostet haben. Nur der Kaffee waren genauso schlecht wie überall sonst in Südamerika.
Nach vier Tagen in El Chaltén wollten wir dann aufbrechen um an das südliche Ende der Carretera Austral zu kommen. Leider waren die Informationen hierzu nur sehr spärlich. Auf der Website von Villa O’Higgens, dem ersten Ort der Straße, hatte ich versucht ein paar Informationen zu erhaschen. Laut Karte bestand die Grenzüberquerung, startend in El Chaltén, aus einer 130km langen Bus-Fähre-Hiking-Fähre-Kombination die innerhalb von zwei Tagen zu machen sei. Den ersten Bus und die entsprechende Fähre konnten wir in El Chaltén buchen. Wie es danach genau weiter ging konnte uns in Argentinien keiner sagen. Die einzige Information, die wir noch bekommen hatten, war, dass die zweite Fähre auf chilenischer Seite nur 2x die Woche fährt – Mittwoch und Samstag.

Karte vom Grenzübergang Argentinien – Chile
(Source: http://www.villaohiggins.com/crossing/border2.htm)
Am Dienstag ging es dann mit Essen für zwei Tage los. Zunächst 90min Busfahrt zur Laguna del Desierto. Dort wartete bereits das Boot, was uns bei hohem Wollengang auf die andere Seite brachte. Nach kurzer Visite in der Hütte der Carabineros hatten wir einen Stempel im Pass und Argentinien verlassen. Ab jetzt begann der Teil, den wir am meisten gefürchtet hatten. 22km Hiking – dieses Mal jedoch mit all unserem Gepäck (rund 25kg pro Person). Nach ca. 6km erreichten wir den Grenzstein zwischen den beiden Ländern. Nach ca. weiteren 6km tauchte wie aus dem nichts plötzlich eine Landebahn auf. Vermutlich ein Überbleibsel aus den Zeiten, in denen sich Chile und Argentinien im Kriegszustand befunden hatten. Wiederrum 6km weiter, mit bereits schmerzenden Knien und Füßen, erspähten wir das Ziel unseres Hikes – den Lago O’Higgens. Hier sollte uns am nächsten Tag die Fähre nach Villa O’Higgens bringen. Am Ufer des Sees angekommen mussten wir zunächst wieder bei den chilenischen Carabineros vorstellig werden. Man verwies uns auf den 1km entfernten Campingplatz mit der Info, das am nächsten Tag unter den Wetterbedingungen wohl kein Boot ablegen wird. Ok, wird schon – kaufen wir uns am Zeltplatz eben noch ein bisschen Essen für den zusätzlichen Tag.
Am sog. “Zeltplatz“ angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass die Saison hier beendet war. Vor uns erreichten ein neuseeländisches Pärchen (Josh und Savanna) sowie zwei schweigsame Israelis ebenfalls das Camp. Mit Josh ging ich bei einbrechender Dunkelheit auf Erkundungstour. Wo gibt’s Wasser, Dusche, Toilette und wo können wir vielleicht eine Kleinigkeit einkaufen? Nachdem wir einen kleinen Hügel überquert hatten sahen wir zwischen den Bäumen zwei große Stücken Fleisch hängen. Wir hofften, dass es sich um Rindfleisch handelte. Hinter dem Hügel sahen wir ein kleines Haus. Aus dem Schornstein stieg Qualm nach oben – es schien jemand da zu sein. Wir versuchten auf uns aufmerksam zu machen. Eine alte Frau schob die Gardine kurz bei Seite, sah uns und verschwand wieder. Wenige Minuten später schaute sie noch einmal durch die Lücke zwischen den Vorhängen – ansonsten keine Reaktion. Zugegebenermaßen war die Situation etwas unheimlich. Dusche oder WC – Fehlanzeige. Da wir aber bereits einen Wasserschlauch gefunden und noch Essensvorräte hatten gingen wir zurück zum Zelt und ließen es für heute gut sein. Immerhin stecken über 22km Hike in den Knochen.
Am nächsten Morgen konnten wir bei strahlenden Sonnenschein die Gegend erkunden. Kurz neben unserem Zelt war hinter einem Zaun ein Grab mit frischen Blumen. Die Fleischstücke waren mittlerweile in Bettlaken eingewickelt und neben einem Schuppen stand ein Holzgestellt an dem eine Vielzahl riesiger Fleischerhaken hingen. Shit – wo waren wir hier nur gelandet. Das schöne Wetter ließ die Situation aber wenig bedrohlich erscheinen. Während des Frühstücks passierte ein älterer Mann unsere Zelte, der uns mitteilte, dass weder heute (Mittwoch) noch am Folgetag ein Boot fahren würde. Das Wetter sei zu schlecht. Wir mussten uns also darauf vorbereiten, einige Zeit an dem Ort zu bleiben, der abgesehen von den unheimlichen Erlebnissen der letzten Nacht, traumhaft schön war. Ich ging zum Bootsanleger, der von türkisfarbenen Wasser umgeben war. Hier fand ich ein Brett, in dem ein Schachbrett eingeritzt war. Fein säuberlich waren darauf jeweils 16 graue und gelbe Steine aufgereiht. Weder die Neuseeländer noch die Israelis waren dafür verantwortlich. Waren dies die Hinterlassenschaften unseres Vorgängers, der jetzt möglicherweise in Bettlaken gewickelt am Baum neben unserem Zelt hing? Ich hoffe nicht. Nach einer kleinen Kaffeepause und einem Nickerchen am Steg ging ich zurück zum Zelt. Es war 12 Uhr und weit und breit keine Menschenseele geschweige denn ein Boot in Sicht. Ich wollte die Gelegenheit nutzen um ein paar Spanischvokabeln zu lernen. Aus dem Holz was ich auf dem Weg fand errichtete ich einen Schreibtisch mit einer kleinen Bank mit First-Class-View auf den See. Ich hatte mich jetzt damit abgefunden einige Tage hier ausharren zu müssen. Es gibt wirklich schlimmere Orte.
Am späten Nachmittag erreichten elf weitere Backpacker unser kleines Camp, die noch optimistisch gestimmt auf die bald ablegende Fähre hofften. Wir gaben ihnen ein Update darüber, dass diese weder heute noch morgen fahren wird. Kurze Schockstarre. Unter ihnen war auch ein Italiener, der die gesamte Tour an einem Tag durchziehen wollte und weder entsprechende Essensvorräte noch ein Zelt dabei hatte. Zusammen mit einem französischen Pärchen ging er zum Haus der alten grusligen Dame. Kurze Zeit später kamen sie mit 5kg frischem Rindfleisch wieder. Es herrschte Erleichterung in unserem kleinen Dorf. Es dauerte nicht lang bis das Lagerfeuer angezündet war um das Fleisch zu grillen. Wer hätte gedacht, dass der Tag mit einem solch deliziösen Dinner enden würde? An das Boot dachte mittlerweile keiner mehr. Wir genossen das Fleisch und die Lagerfeueratmosphäre unter sternenklarem Himmel.
Am zweiten Tag erkundeten die Neuankömmlinge ebenfalls das Revier, so wie wir es bereits am Tag zuvor getan hatten. Von der alten Dame, die mittlerweile gar nicht mehr so gruselig war, konnten wir Brötchen und selbstgemachte Marmelade erwerben. Jule ergriff die Gelegenheit um nach einem Crash-Kurs im Brötchenbacken zu fragen. Keine zwei Stunden später standen wir mit ihr in der Küche und kneteten eine Art Hefeteig für ca. 30 Brötchen. Kurz darauf hielten wir unsere ersten selbstgebackenen Brötchen in den Händen – ein wahrer Gaumenschmaus! Am Abend servierte uns die alte Lady – übrigens rüstige 87 Jahr jung – zusammen mit ihren beiden Söhnen, die eine Rinderzucht rund um das Gelände führten, ein schmackhaftes Abendmahl mit Rindfleisch, wie es frischer nicht hätte sein können. Mehr Bio geht nicht! Mittlerweile fühlten wir uns wie eine kleine autonome Gemeinschaft. Wir hatten Unmengen Rindfleisch, wussten wie man Brot bäckt und köstlichstes Wasser aus dem angrenzenden Gletschersee. Wer braucht schon das Boot?
Am dritten Tag Lost in Candelario Mancilla herrschte plötzlich Tumult in unserem Lager. Gerüchte kursierten, dass ein Boot gesichtet wurde. Ein kurzer Gang zur Klippe sorgte für Gewissheit. Am Bootsanleger liegt ein Boot an. 30min später war unser kleines Dorf in die einzelnen Rucksäcke verpackt und wir saßen an Bord. Ein bisschen wehmütig diesen schönen Ort verlassen zu müssen aber zugleich erleichtert die Reise fortsetzen zu können. Nach gut 2.5h Bootsfahrt vorbei an Gletschern, Wasserfällen und Felsschluchten erreichten wir den Hafen von Villa O’Higgens. Wir haben die Grenzüberquerung tatsächlich geschafft und sind am südlichen Ende der Carretera Austral angekommen!
Im Nachhinein betrachtet waren die zwei Tage, die wir fernab jeglicher Zivilisation und Touristen verbrachten haben, die wohl schönsten und bereichernsten meiner bisherigen Reise. Ich wusste vorher nicht, was mich auf dieser Grenzüberquerung erwarten würde. Ich bin froh mich auf dieses kleine Abenteuer eingelassen zu haben – den das war es wirklich. Wäre der Trip nach Plan verlaufen hätte ich so viele Erlebnisse und Eindrücke verpasst. Meiner Meinung nach ist es genau das, was das Reisen so reizvoll macht.
In Villa O’Higgens angekommen konnten wir dann unseren weiteren Reiseverlauf planen. Seit Joseph mir von seiner Fahrradtour erzählt hatte, hatte ich auch darüber nachgedacht die Challenge anzunehmen und die Strecke ebenfalls mit dem Fahrrad zurückzulegen. Fehlte nur noch das entsprechende Fahrrad. Bereits in Puerto Natales habe ich im Internet nach Fahrradläden in Villa O’Higgens gesucht – vergebens. In unserem Hostel trafen wir auf ein schottisches Pärchen, welches die komplette Carretera Austral gerade mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte und nun ihr gesamtes Equipment verkaufen wollte um nach Argentinien weiterzureisen. Da war sie – die einmalige Chance auf einen wohl unvergesslichen Fahrradtrip. Jule und ich schauten uns an und rechneten. Die ganze Sache hatte nur zwei Haken. Würden wir unsere Körper jetzt auf das Rad schwingen, würden wir definitiv nicht bis Ende März in Santiago sein, wo Damiano auf uns warten würde um zusammen nach Peru zu fahren. Neben dem zeitlichen Aspekt regnete es bereits seit 48h ununterbrochen. Bei diesen Bedingungen zu radeln würde die vermeintliche Schönheit dieser Route sicherlich ebenfalls trüben. Also sagten wir dem Pärchen wehmütig ab. Den Weg nach Norden mit dem Bus anzutreten schien nun unausweichlich. Die letzten Tickets für den Sonntagsbus wurden uns jedoch vor der Nase weggeschnappt und der nächste Bus fuhr erst am darauffolgenden Donnerstag. Erneut sahen wir unser Date mit Damiano platzen. Ein Glück, dass unsere neue Familie im selben Boot saß – alle wollten weiter nach Norden. Kurze Zeit später hatten wir einen Bus für 14 Personen gechartert und es ging tatsächlich los auf der Carretera Austral – endlich.
Erst in den 70er Jahren wurde mit dem Bau der Straße begonnen, die bis heute noch nicht vollständig fertiggestellt werden konnte. Zu unwegsam ist das Gelände, welches von Gletschern, Fjorden und Gebirgszügen der Anden durchzogen ist. Sie ist das aufwendigste Bauprojekt Chiles im 20. Jahrhundert und hat mehreren Bauarbeitern das Leben gekostet. Sie zählt heute zu den schönsten und spektakulärsten Straßen weltweit. Die 6-stündige Busfahrt von Villa O’Higgens zum nächstgelegenen Ort Cochrane war eine harte Probe für unsere Mägen. Mehrmals musste der Bus stoppen, damit wir uns nicht übergeben mussten. Für einige war es aber bereits zu spät. Die Durchquerung spektakulärer Landschaften kompensierte jedoch die Tortur der Busfahrt.
In Puerto Río Tranquilo machten wir den ersten größeren Zwischenstopp um mit dem Kajak zu den Capillas de Mármol zu paddeln. Jahrtausendlange Erosion haben einige Felsen im bezaubernden Lago General Carrera in eine surreale Höhlenformation verwandelt. An den Wänden der Höhlen vollführte das türkisfarbene Wasser wahre Lichtspiele von schwer zu beschreibender Schönheit. Im Hintergrund ragten imposant die Anden mit ihren schneebedeckten Gipfeln empor. Ein wahrlich schöner Ort. Dennoch ging es am nächsten Tag weiter nach Coyhaique, der größten Stadt auf der Carretera Austral. Sie diente uns aber nur als Zwischenstopp um die Weiterfahrt nach Norden zu organisieren.
So kam es dann, dass wir einen Tag später in La Junta strandeten – einem Ort der, außer der beeindruckenden Landschaft die ihn umgibt, eigentlich nichts zu bieten hat. Leider fuhren auch hier die Busse wieder nur sehr unregelmäßig, sodass wir erneut unser Glück an der Straße versuchen wollten um eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Wir hatten mit verschiedenen Schildern und Lockmitteln versucht ein passierendes Auto zum Anhalten zu bewegen. Resultat nach 6h am Straßenrand: es wollten nun nicht mehr nur wir zwei nach Chaitén, sondern noch acht weitere Backpacker. Hinzu kam, dass die Straße aus Süden kommend wegen Bau- und Sprengarbeiten für 4h gesperrt worden war. Eine aussichtslose Situation die uns zum Kauf von zwei Bustickets für den Folgetag bewegte. Es hätte ja klappen können.
Am nächsten Morgen kamen wir dann mit dem Bus in Chaitén an. Aus dem Busfenster konnten wir noch unsere Fähre wegfahren sehen, die uns eigentlich direkt nach Puerto Montt bringen sollte. Es war die letzte für die nächsten Tage. Etwas verärgert, dass wir einen ganzen Tag in Chaitén verbringen müssen, suchten wir uns eine Unterkunft. Auf dem Weg dorthin erfuhr ich, dass im Jahre 2008 völlig überraschend der nahgelegene Vulkan ausgebrochen ist und Großteile der Stadt zerstört hatte. Die Spuren der Verwüstung sind noch heute deutlich zu erkennen. Die Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht. Umso beeindruckender erschien es mir, mit welchem Willen und Einsatz die Einheimischen den Ort innerhalb kurzer Zeit wieder aufgebaut hatten. Einer von Ihnen fuhr uns zu den heißen Quellen im nahegelegenen Nationalpark und erzählte uns die ergreifende Geschichte von den Geschehnissen von damals. Am Ende war ich froh die Fähre verpasst zu haben um das Schicksal dieses Ortes erfahren zu können. Und zugegebenermaßen waren die heißen Quellen auch äußerst wohltuend. Auf dem Weg zum Bus am darauffolgenden Tag legten wir einen kleinen Zwischenstopp an einem alten Mercedes-Bus ein, der von einer deutschen Auswanderin zu einem kleinen Café umfunktioniert wurde. Obwohl ich die Hoffnung auf guten Kaffee schon fast aufgegeben hatte, fand ich darin endlich etwas anderes als Instant-Kaffee. Es gab Espresso. Und Milchschaum. Cappuccino! Und Apfelkuchen nach Großmutters Art. Aller Ärger über die verpasste Fähre war endgültig vergessen. Kurze Zeit später saßen wir im Bus nach Puerto Montt um die Carretera Austral zu beenden. Ein wunderbarer Abschluss.
Großartig – wenn man so völlig ohne etwas zu tragen – diese Reise begleiten darf.
Bitte meeehr.
Danke und gute Reise!
Alex, como estas?
Por primera vez entre a tu blog despues de llegar de mis vacaciones. No encontraba donde habia anotado el blog, estaba en mi celular. Gracias por recordar con esas maravillosas fotos y tu lindo relato los dias que estuvimos con jule, lina y estefi en El Chalten. Espero que esten bien y disfrutando de esta gran aventura. En face me podes contactar buscandome como Rodrigo Garcia Otero. Un gran saludo.