Mes seis – el tesoro del Amazonas

Nach den kalten und anstrengenden Tagen im Hochland von Bolivien wollten wir es nun etwas ruhiger angehen lassen. Das bolivianische Amazonasgebiet schien wie gemacht dafür – tropische Wärme, Hängematten und jede Menge Wildlife.

Wieder in La Paz angekommen verschafften wir uns einen Überblick über die Möglichkeiten in den Dschungel zu kommen. Nach einiger Recherche entschieden wir uns für den Madidi Nationalpark, der laut Wikipedia rund 5000 Arten von Pflanzen, ca. 1370 Arten Wirbeltiere (davon ca. 156 Arten Säugetiere) und 867 verschiedene registrierte Vogelarten beheimatet. Soweit so gut. Aber wie genau kommen wir dort hin? Klar war, dass wir zunächst nach Rurrenabaque müssen. Von dort aus geht es dann weiter in die verschiedenen Regenwaldgebiete. Wir hatten die Wahl zwischen einer 18-stündigen Busfahrt oder einem 45-minütigen Flug. Von anderen Reisenden und in diversen Internetforen habe ich gelesen, dass die Busfahrt recht abenteuerlich sei, da die Straße an einem steilen Abgrund entlangführt und regelmäßig durch Erdrutsche unterbrochen wird. So können aus den 18h leicht 36h werden. Wir entschieden uns für den Flug, welcher nicht weniger abenteuerlich war.

Am Flughafen El Alto angekommen erklärte man uns, dass unser Flug vom Militärflughafen geht und wir demnach falsch sind. Also wieder rein ins Taxi und ab zum Militär-Terminal. Die Sicherheitskontrolle bestand aus einem Hund, der mal kurz über die Rucksäcke schnupperte. Scanner oder Metalldetektoren suchte man hier vergebens. Waffen oder Sprengstoff mit in den Flieger nehmen – wäre kein Problem gewesen. In der Propellermaschine ging es über die Anden nach „Rurre“, wie der Ort in Backpackerkreisen genannt wird. Die Aussicht war phänomenal! Die Landung erinnerte mich an den Film „Blow“, in dem Johnny Depp mit einem Propellerflugzeug auf einem abgeholzten Landstreifen im Dschungel landet um große Mengen Kokain zu schmuggeln. Der Flughafen bestand aus einer kleinen Landebahn und einem winzigen Häuschen welches man nur schwer als Terminal bezeichnen kann. Das Gepäck wurde direkt am Flieger ausgehändigt und noch bevor ich das Flughafengelände verlassen hatte, hätte ich bereits größere Mengen Kokain und anderes Zeug von den Einheimischen erwerben können.

Map Madidi Jungle Lodge

Die Madidi Jungle Lodge liegt abseits jeglicher Ziviliation

Nach einer Nacht in Rurre ging es dann auf dem Río Beni zur Madidi Jungle Lodge, wo wir die nächsten vier Tage entspannen wollten. Die Bootsfahrt dauerte etwa 3h, in der wir jegliche Zivilisation hinter uns ließen. Wir waren jetzt im Dschungel – kein Strom, kein Internet, kein Warmwasser, keine Touristen. Genau das, was wir wollten! Unser Guide Alex zeigte uns die Lodge, unser Zimmer und erklärte uns, was uns die nächsten Tage erwarten würde: verschiedene Wanderungen durch den Regenwald, Tubing auf dem Río Beni und Piranhas angeln. Das klingt ja fast schon nach Stress! Nachdem wir es uns gerade in der Hängematte bequem gemacht hatten kam Alex in Gummistiefeln und mit Machete bewaffnet zu unserem Bungalow. Vamos! Die erste Wanderung stand an. Wir sahen jede Menge Pflanzen, Vögel und verschiedene Affenarten. Es war wie in einem riesigen Zoo und irgendwie schwer vorstellbar, dass das alles „Echt“ ist. Das wurde uns aber spätestens bewusst, als wir eine handflächengroße Tarantel auf der Toilette sahen. Aber unser Guide versicherte uns „Ach, dass ist nicht schlimm wenn die beißt – da ist man nur ein bisschen gelähmt und es tut halt tierisch weh“. Die Menschen im Dschungel haben eben eine ganz eigene Vorstellung davon, ob ein Tier gefährlich ist oder nicht. Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Am letzten Tag erklärte uns Alex, dass die Gummistiefel u.a. dafür da sind, die Füße vor Schlangenbissen zu schützen. Vor einigen Jahren wurde er selbst von einer giftigen Schlange (siehe Foto) gebissen, als er gerade keine Gummistiefel getragen hatte. Er sagte, dass ein Biss tödlich sei und er nur überlebt hat, weil er der Schlange kurzerhand den Kopf abgeschlagen und ihr Fleisch auf die Wunde gelegt hat um seinem Körper das Gift zu entziehen. Er war nur kurz K.O. aber das legte sich dann nach eine Weile wieder. Lessons Learned: nach einem Schlangenbiss nicht weglaufen, sondern die Schlange als Gegengift einsetzen! Ist notiert…

Bereits nach dem ersten Tag hatten wir jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren. Wir lebten nur noch nach den Mahlzeiten sowie Sonnenauf- und -untergang. Tiefenentspannung setzte ein. Am zweiten Tag ging es wieder auf eine Wanderung, die ähnlich schön war, wie die am ersten Tag. Zurück ging es auf dem Fluss in aufgepumpten LKW Reifen. Sich einfach mal treiben lassen… ich hätte das stundenlang machen können. Als wir sahen wie entspannt unser Guide dabei aussah, schlussfolgerten wir, dass das wohl einer der besten Jobs der Welt sei. Diese Erkenntnis änderte sich auch nicht im Verlauf der nächsten Tage: Gutes Essen, entspannte Wanderungen und Piranhaangeln mit Gringos, die sich über jeden Fang freuen wie ein kleines Kind. Und das Alles in einer der wohl schönsten Umgebungen auf unserem Planeten. Und während Alex und ich auf einem Baumstamm standen und den Angelhaken auswarfen (es war tatsächlich nur ein Haken an einer Schnur), hörten wir es plötzlich knacken. Wenige Sekunden später lag Damiano im Piranha-Becken – die Taschen voll mit Rindfleisch um die kleinen Biester zu ködern. Der Ast auf dem er stand war abgebrochen. Sein Gesichtsausdruck unbezahlbar. Unser Guide hatte vor Lachen Tränen in den Augen. Unsere Ausbeute konnte sich aber sehen lassen. Mit vier Piranhas kehrten wir zurück zur Lodge, die wenige Stunden später gegrillt und in einem Bananenblatt gewickelt auf unserem Teller lagen. Sah cool aus, viel dran war aber nicht. Geschmeckt hat es … nach Fisch eben.

Das war leider auch schon der letzte Abend auf der Lodge. Vor unserer Abfahrt ließen wir es uns noch eine Weile in den Hängematten gut gehen und entspannt wie nie zuvor ging es leider wieder zurück nach Rurre. Schön war’s…

One Comment on “Mes seis – el tesoro del Amazonas”

  1. Wieso wundert es mich nicht, dass Damiano ins Wasser gefallen ist…? Schade, dass es davon kein Foto gibt 😀