

An einer Ayahuasca-Zeremonie teilnehmen, Ameisenköniginnen essen, an einem Wasserfall abseilen, meinen eigenen Kaffee rösten und einen Crashkurs in Bulli-Elektrik bekommen – wie aus einer Nacht drei Wochen wurden.
Das Hostel La Pacha ist wieder einer dieser Orte, von dem man unter den Overlandern auch außerhalb des Landes spricht. Ein Must-stop, also. Hinzu kommt, dass Jess&Jess gut einen Monat dort als Freiwillige gearbeitet und mir diese Farm ebenfalls wärmstens empfohlen hatten. Und auf ihr Wort kann ich vertrauen. Also beschloss ich das Refugio in Richtung San Gil zu verlassen und für eine Nacht im berühmten La Pacha zu bleiben.
Doch anstatt eines Hostels oder einem Campingplatz erwartete mich eher eine Farm, die auf den ersten Blick eher verwahrlost wirkt. Auch einige der Gebäude hielt ich anfangs für Ruinen. Doch ich wurde freundlich empfangen und mir wurde ein schöner Stellplatz für den Bulli angeboten. Das Highlight der Farm war ein alter, ausgeschlachteter Bus. Ein gut gefülltes Bücherregal, ein Flat-Screen samt einer schier endlosen DVD-Sammlung, sowie unzählige Brettspiele machten den Bus zum idealen Wohnzimmer. Davor konnten man es sich in den Hängematten rund ums Lagerfeuer gut gehen lassen, wo wir am Tag meiner Ankunft Sonjas einjähriges Reisejubiläum feierten.
Sonja ist eigentlich Grafikdesignerin aus Buenos Aires, die in Venezuela jedoch ihre wahre Leidenschaft entdeckt hatte – das Schattenspieltheater. Anstatt den Tag an ihrem MacBook zu verbringen, tourt sie mittlerweile mit einer kleinen Bühne und mehr als einem Dutzend Pappfiguren durch die Lande um Groß und Klein mit ihren Geschichten zu erfreuen. Wer sich nichts darunter vorstellen kann, hier der Link zu ihrer Facebook-Page: Cosmonautas teatro de sombras. Eines Abends gab sie auch in La Pacha eine Performance. In Zeiten von 3D-Kinos und immer aufwendigeren Special Effects war das eine schöne Abwechslung. Für die Zuschauer machte ich süßes Popcorn, was zunächst für etwas Verwirrung sorgte. Scheinbar ist Deutschland das einzige Land der Welt, wo es in den Kinos süßes Popcorn gibt. Der Rest der Welt bevorzugt die salzige Variante. Es kam aber gut an!
Mittlerweile war ich schon ein paar Tage auf La Pacha und ich verspürte keinerlei Drang diesen Ort der Entspannung zu verlassen. Doch plötzlich näherte sich der Farm der Sound eines luftgekühlten Boxermotors. Wenig später sah ich den blauen Bulli von Gorm und Eli um die Ecke biegen. Die beiden sind bereits seit einem Jahr mit ihrem little Heartbraker, wie sie ihn nennen, unterwegs und von Kanada bis nach Kolumbien gefahren. Ziel ist – wie soll es auch anders sein – Ushuaia im Süden Feuerlands. Ich hatte ihre Reise bereits auf ihrer Facebook-Page bee-individual verfolgt. Umso schöner, die beiden jetzt auch persönlich kennenzulernen. Gorm ist eigentlich Grundschullehrer, hat aber in den letzten 8 Jahren den damals schrottreifen Bulli in Eigenregie fit für die große Reise gemacht. Dementsprechend beeindruckend waren sie mechanischen Skills. Da er wohl unter dem Helfersyndrom leidet, fragte er mich, wie mein Bulli läuft. Nachdem ich ihm von 1-2 kleinen Macken erzählte, stand er mit Werkzeugkoffer in der Hand vor mir, um Abhilfe zu schaffen. Wenige Stunden später hatte ich unter seiner Anleitung die Rückleuchten samt Blinker ausgebaut und neu verkabelt. Anschließend rüsteten wir noch die Armaturenbrettbeleuchtung nach, damit ich von nun an bei nächtlichen Fahrten auf meine Stirnlampe verzichten kann. Zu guter Letzt reparierte er auch noch den Griff der Beifahrertür, die sich von innen nur noch schlecht bis gar nicht öffnen ließ. Während wir an der Tür tüftelten, bereitete Eli uns ein großartiges Abendessen vor. Danke Gorm, für deine großartige Unterstützung! Leider konnte ich ihm nicht viel als Gegenleistung geben, außer einer neuen Fensterkurbel, die seinen provisorisch montierten Schraubenschlüssel ablöste. Es ist schön zu sehen, wie die Bulli-Gemeinde weltweit zusammenhält und sich gegenseitig hilft.
La Pacha ist ein wunderbarer Ort um seine Zeit zu verbringen. Doch die nähere Umgebung hat viel zu bieten. In der einen Richtung führt die Straße nach Barichara. Auf dem Weg dorthin begibt man sich zeitgleich auf eine Reise in die koloniale Vergangenheit Kolumbiens. Egal in welche Gasse man schaut, der Anblick ist überall gleich schön: gepflasterte Straßen, weiße Wände und rote Dachziegel. Kein Wunder also, dass Barichara immer öfter als Filmkulisse herhalten muss. Mittlerweile wurde der Ort auch zum nationalen Kulturerbe erklärt. In den kleinen Geschäften findet man zudem auch die lokale Spezialität: geröstete Königinnen der Blattschneiderameisen. Während dies hier als Aphrodisiakum gehandelt wird, trinkt man einen Ort weiter Ziegenmilch als Ersatz für Viagra.
In der anderen Richtung geht es nach San Gil, die selbsternannte Outdoor-Hauptstadt Kolumbiens. Hier werden Aktivitäten angeboten wie z.B. Paragliden, Rafting, Mountainbiking, Horse Riding oder Repelling. Letzteres habe ich hier zum ersten Mal gehört. Dabei geht es darum sich an einem Wasserfall abzuseilen. Klingt nach einer Menge Spaß! Also wurde die Tour zusammen mit einem deutschen Pärchen für den nächsten Tag gebucht. Mit dem Bulli ging es zum besagten Wasserfall und nach einer kleinen Wanderung zum oberen Punkt des Wasserfalls klickten sich die Karabiner in meinen Gurt und es ging wieder nach unten, während von oben das Wasser auf meinen Helm prasselte. Es war echt eine Menge Spaß!
Ein weiterer Grund, weshalb ich nach La Pacha gekommen war, war die Möglichkeit an einer Ayahuasca Zeremonie teilnehmen zu können. Zum ersten Mal hatte ich dieses Wort in den peruanischen Anden gehört – anfangen konnte ich damit aber nichts. Kurz gesagt ist Ayahuasca ein im Dschungel hergestelltes Pflanzensud, welches von Angehörigen diverser Amazonas-Ethnien in rituellen und religiösen Zeremonien eingenommen wird. Diese versetzen sich damit in einen Trance-Zustand, um damit in die Zukunft blicken zu können. Weiterhin gilt es als Allheilmittel für mentale und physische Krankheiten. Allgemein wird die Zeremonie als Reinigung oder Entgiftung des Körpers verstanden, was nicht selten damit verbunden ist, dass sich die Teilnehmer im Laufe des Abends übergeben müssen.
Dieses Ritual hatte mein Interesse geweckt. Also versuchte ich Kontakte zu knüpfen, um an einer solchen Zeremonie teilnehmen zu können. Justin, der Besitzer der La Pacha Farm, nimmt regelmäßig an diesen Zeremonien teil. Zu meinem Glück sollte in wenigen Tagen eine nächtliche Zeremonie stattfinden. Im Vorfeld stand jedoch ein Treffen mit den Schamanen an, die die Zeremonie durchführen werden. Sie erklärten mir und den anderen Teilnehmern den Ablauf des Abends, was auf uns zukommen würde und wie war uns darauf vorbereiten sollen. Vorbereitung ist wichtig, damit das Ayahuasca seine Wirkung entfachen kann. Dazu gehört vor allem ein angepasster Ernährungsplan. In den Tagen vor der Zeremonie sollte man sich vegan ernähren und sonstige Giftstoffe für den Körper vermeiden. Dazu zählen u.a. Koffein, Nikotin und THC. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mich beim Essen einschränken. Also bemühte ich Google um einen veganen Ernährungsplan zu erstellen. Die darauffolgenden Tage ernährte ich mich dann hauptsächlich von Reis, Kokosmilch, Papaya, Ananas und Brot. Und ich muss sagen, dass es überhaupt nicht schlimm war. Mit etwas Vorbereitung und den richtigen Zutaten kann auch ein veganes Essen äußerst schmackhaft sein.
Meine Hausaufgaben hatte ich gemacht, nun konnte der Abend also kommen. Zusammen mit Justin und weiteren Backpackern von La Pacha fuhren wir auf eine Finca in der Nähe von San Gil. Dort angekommen zeigten uns die Schamanen, wo wir die Nacht verbringen würden. In einem abgegrenzten Bereich wurden ein Altar und mehrere Sitz- bzw. Liegegelegenheiten rund das Lagerfeuer aufgebaut. Jegliche elektronischen Geräte mussten „draußen“ bleiben, um mögliche Ablenkungs- oder Störfaktoren fernzuhalten. Nach Einbruch der Dunkelheit versammelten sich die ca. 20 Teilnehmer und die Schamanen schilderten uns noch einmal den Ablauf für die bevorstehende Nacht.
Und es ging los. Als erstes bekamen alle Teilnehmer eine Ladung Tabakpulver in die Nase geblasen. Dazu verwendete der Schamane eine Art Pfeife, die er mir mit der einen Öffnung in die Nase steckte. Die andere Öffnung hielt er in seinem Mund und blies ordentlich hinein. Das Pulver schoss mir in den Kopf und meine Augen begannen zu tränen. Es fühlte sich unglaublich ekelhaft an, war aber Teil der Reinigungsphase.
Kurze Zeit später wurde dann das eigentliche Ayahuasca (auch Yajé genannt) serviert. Dafür kamen die Teilnehmer nacheinander zum Alter, wo der Schamane zunächst den Drink weihte. Begleitet mit spirituellem Gesang nahm ich den Trank ein und setzte mich zu den anderen ans Feuer. Es dauert etwa 15-20min bis die Wirkung einsetzte. Von nun an verliert sich mein Gefühl für Raum und Zeit. Der beschriebene Trace-Zustand setzt ein. Ab jetzt wurde auch nicht mehr gesprochen, da jeder Teilnehmer auf eine individuelle Reise geht. Jegliche Interaktion untereinander könnte die Visionen anderer Teilnehmer stören oder beeinflussen. Laufen war von nun an auch nicht mehr drin, also legte ich mich auf den Rücken und schaute hinauf in die Baumkrone. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Der einsetzende Regen zwang mich jedoch dazu, mich ins Zelt zu legen. Nun setzte auch die halluzinogene Wirkung des Ayahuascas ein. Bunte Farben und abgefahrene Formationen machten sich im Einklang mit der Musik vor meinem geistigen Auge breit. Zusätzlich hatte ich das Gefühl, dass sich die negative Energie meines Körpers in meinem Magen konzentrieren würde. Ganz so, als würde das Gebräu sie wie ein Schwamm aufsaugen wollen. In den nächsten Minuten schossen mir verschiedene Visionen in den Kopf und ich bekam Antworten auf Fragen, die ich mir im Vorfeld der Zeremonie gestellt hatte. Auch dies war Teil meiner Hausaufgaben.
Nach geschätzten 90 Minuten ließ die Wirkung des ersten Drinks nach. Langsam kehrte ich wieder in den Kreis der anderen Teilnehmer zurück. Die Musiker trommelten und spielten auf ihren Gitarren entspannte Musik und vor mir knisterte das Feuer. Der Schamane versammelte die Teilnehmer ein zweites Mal und bat uns darum die Oberkörper freizumachen. Mit einem Strauß voller Zweige strich er eine Art Öl auf unsere Körper. Auch das diente der spirituellen Reinigung. Im Anschluss gab es einen zweiten Drink Ayahuasca. Dieses Mal setzte die Wirkung deutlich schneller und heftiger ein als beim ersten Mal. Ich zog mich wieder zurück in mein Zelt, schloss die Augen und begab mich auf die spirituelle Reise. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung mehr wie spät es eigentlich war. Es war aber auch egal. Ich war jetzt in meiner eigenen Welt – und ich war zufrieden. Irgendwann in den frühen Morgenstunden bin ich dann eingeschlafen.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte waren bereits einige Teilnehmer aktiv. Jetzt wurde sich auch wieder unterhalten und man tauschte sich über die Erfahrungen der letzten Nacht aus. Andere Teilnehmer waren immer noch in ihrer Welt und schauten in die Ferne. Und dann gab es endlich wieder etwas zu Essen. Nachdem ich fast 24h keine Nahrung mehr zu mir genommen hatte, fühlte sich der erste Bissen wie eine Erlösung an – auch wenn es ausschließlich frisches Obst gab. Noch etwas müde und immer noch nicht ganz in der realen Welt angekommen fuhren wir zurück nach La Pacha, wo ich den restlichen Tag in der Hängematte verbrachte und über die Erfahrungen der letzten Nacht nachdachte. Ich fühlte mich gut und meine Gedanken waren klarer als je zuvor. Ich fühlte mich physisch und mental gereinigt.
Zu meinem Glück gehörte zur La Pacha Farm ein angrenzender Kaffeewald. Und das Beste daran: es war Erntezeit. Justin wusste bereits, dass ich mehr über Kaffee und dessen Zubereitung lernen wollte. Eines Morgens stand er mit einem Sack getrockneter Kaffeebohnen vor mir und sagte, dass ich mich doch mal damit beschäftigen könne, ob es möglich wäre, mit den vorhandenen Mitteln einen farmeigenen Kaffee zuzubereiten. Challenge accepted!
Ich stöberte im Netz, schaute mir diverse YouTube-Videos an und las in Blogs, wie Leute versuchten zu Hause ihren eigenen Kaffee zu rösten. Es kristallisierten sich verschiedene Techniken heraus. Die höchste Erfolgsquote versprach wohl eine Popcorn-Maschine, da sich die Eigenschaften der Kaffeebohnen kaum von denen der Maiskörner unterscheiden. Solch ein Gerät war aber weder vorhanden noch zu besorgen. Letztendlich fiel die Wahl dann aber auf die ganz traditionelle Pfanne. Dafür brauchte ich aber zunächst die grünen Kaffeebohnen.
Die Bohnen, die Justin mir gegeben hatten, waren noch nicht geschält. Dieser Vorgang ist unglaublich aufwendig wenn man ihn von Hand ausführen möchte. Justin meinte aber, dass mir die Nachbarn ein paar 100m Meter die Straße hinunter mit einem Gerät helfen könnten. Also machte ich mich mit meinem Sack Kaffeebohnen über der Schulter auf den Weg zu ihnen. Es war ein altes Pärchen, die den Großteil des Tages auf ihrer Veranda verbrachten. Ich begrüßte die beiden und versuchte mein Anliegen zu schildern. Was sie in ihrem kolumbianischen Hinterland-Spanisch vor sich hin nuschelten verstand ich jedoch nicht. Also ging ich zur Hand- und Fußkommunikation über. Langsam aber sicher verstanden sie, warum ich hier war. Die alte Dame führte mich samt Sack in einen Bretterverschlag und baute ein Gerät aus Metall auf. Es sah aus wie ein handbetriebener Fleischwolf – gefühlt jedoch aus dem letzten Jahrhundert. Ich kippte oben meine Bohnen hinein, passte den Abstand des Mahlwerks an und drehte an der Kurbel. Dabei konnte ich zusehen, wie sich die Schale von den grünen Kaffeebohnen löste. Easy!
Doch damit war die Arbeit noch nicht getan. Nun hatte ich einen Sack voller grüner Kaffeebohnen und Schalen, die voneinander getrennt werden mussten. Also setzte ich mich an den Tisch und tat dies – von Hand. Ich fühlte mich wie Aschenputtel, nur hatte ich keine Tauben, die mich während der Arbeit unterstützten. Nach mehreren Stunden hatte ich eine ansehnliche Menge grüner Bohnen aussortiert und der erste Röstversuch konnte beginnen. Ich packte die Bohnen in den Topf und stoppte die Zeit. Ich probierte verschiedene Röstdauern und Temperaturen aus. Alles wurde gründlichst dokumentiert.
Da sich das wahre Aroma erst in den folgenden 24-48h voll entfalten würde, wartete ich geduldig, bevor ich die ersten Kostproben nehmen konnte. Währenddessen setzte ich mich wieder an meinen Tisch und sortierte fleißig grüne Kaffeebohnen aus. Ich konnte es kaum erwarten den ersten eigenen Kaffee zu trinken. Als es soweit war, mahlte ich die verschiedenen Röstungen und bereitete den Kaffee nach verschiedenen Methoden zu – Bialetti, Omas Strumpfhose und der normale Kaffeefilter. Zu meiner Überraschung konnte man die unterschiedlichen Röststufen auch im Resultat, dem Kaffee in der Tasse, wiedererkennen. Das Farbspektrum reichte von orangebraun bis schwarz.
Einige Tage später traf ich auf Freddy. Er hatte auf einer befreundeten Finca bereits bei mehreren Kaffeeröstungen unterstützt und entsprechend Erfahrungen gesammelt. Ich zeigte ihm mein Vorgehen und wir tauschten uns bzgl. Methode und Temperaturen aus. Zusammen rösteten wir weitere Bohnen und das Ergebnis wurde von Mal zu Mal besser. Die Resultate konnten sich echt sehen bzw. schmecken lassen.
Während meiner Zeit auf La Pacha konnte ich den Übergang von der Trocken- zur Regenzeit beobachten. Immer häufiger begann es in den Abendstunden heftig zu regnen. Eines Nachts bemerkte ich, dass eine nicht unerhebliche Menge Wasser an den Fenstern des Bullis in das Bulliinnere floss. PVC Müllsäcke, die ich über die Fenster klebte, schafften vorrübergehend Abhilfe. Aber das konnte nicht die Lösung sein. Am nächsten Morgen versuchte ich den Grund für das Wassereindringen zu identifizieren. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die beiden Seitenfenster falschrum eingebaut wurden. Die Abflusslöcher waren oben und dienten nun dem verbesserten Eindringen von Wasser, welches sich an der Unterkante aufgrund der dort fehlenden Löcher staute und demnach in den Bulli lief.
Hier musste ich etwas tun. Also beschloss ich kurzerhand die Fenster zusammen mit Mike auszubauen und auf der richtigen Seite wieder einzubauen. Der Ausbau war einfach. Ich legte mich auf das Bett und drückte mit beiden Füßen beherzt gegen die Fenster. Nach einem „Plopp“ war das Fenster samt Dichtgummi draußen. Anschließend reinigten wir beides und versuchten den Gummi in warmem Seifenwasser für den Wiedereinbau schön geschmeidig zu machen. Funktioniert hat das nicht. Der Zahn der Zeit hatte einfach zu lange am Material genagt – Geschmeidigkeit Fehlanzeige.
Aber nun hatten wir den Salat: die Fenster waren draußen und mussten wieder eingebaut werden. Und dies gestaltete sich deutlich schwieriger als der Ausbau. Die Techniken, die ich mir vorher am Internet angelesen hatte, funktionierten nicht. Also mussten wir uns etwas Neues einfallen lassen. Erst der Gummi und dann das Fenster oder doch andersrum!? Es brauchte eine Menge Geduld und Schweiß aber nach 4h hatten wir das erste Fenster drinnen. Für den Tag ließen wir es gut sein. Für die Nacht klebte ich die andere Fensteröffnung mit einem Müllsack zu. Am nächsten Morgen machten wir uns an das zweite Fenster. Da wir jetzt wussten, welches die richtige Technik ist, ging der Einbau recht schnell von statten.
Mit richtig eingebauten Fenster und einer neuen Crew an Bord war es nun Zeit La Pacha nach drei wunderbaren Wochen zu verlassen. Wir verabschiedeten uns von Justin & Andrea und brachen in Richtung Karibik auf. Schön war’s und ich glaube, es war kein Abschied für immer…