The Baltic Sea Circle 2016

Der Baltic Sea Circle: Das bedeutet, in 16 Tagen über 7500km durch 10 Länder zu fahren. In einem Auto, das älter als 20 Jahre ist. Keine Autobahn, kein GPS, dafür im wilden Ritt einmal um die Ostsee mit dem Ziel, möglichst viele Spendengelder für Wohltätigkeitsorganisationen zu sammeln.

Der eigentliche Startschuss für den Baltic Sea Circle 2016 (BSC) fiel für mich im März 2015 in Santiago de Chile, Südamerika. Nach einigen Monaten backpacken entschied ich mich spontan, einen über 30 Jahre alten VW Bus zu kaufen. Ohne zu wissen, was mich erwarten würde, stürzte ich mich in das Abenteuer Roadtrip und fuhr in gut einem Jahr 20.000km im Zickzack über die Anden bis nach Kolumbien.

Im Januar 2016 lernte ich auf einem Kurztrip nach Mexiko auf der Insel Holbox Sascha kennen. Auf dem Weg zurück zum Flughafen erzählte ich ihm von der Idee, mit meinem Bus an einer Charity Rallye um die Ostsee teilzunehmen. Er hatte sofort Lust drauf und meinte, ich solle mich bei ihm melden, wenn ich das wirklich durchziehe. Vorerst trennten sich unsere Wege. Er flog nach Berlin und ich zurück zu meinem Bulli nach Kolumbien.

Die Idee, am BSC 2016 teilzunehmen, ließ mich nicht mehr los. Also meldete ich mich an und bekam einen der letzten Startplätze. Ich erzählte Sascha davon und fragte, ob er nach wie vor Lust darauf hätte. Auf die Antwort musste ich nicht lange warten – er war sofort dabei!

Doch bis zum offiziellen Start der Rallye war noch einiges zu tun. Vor allem musste der Bulli von Südamerika nach Europa verschifft werden, was sich zu einem Projekt für sich entwickelte. Mitte April war es dann jedoch soweit und der VW Bus rollte in Italien zum ersten Mal auf europäischem Boden. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir weniger als zwei Monate Zeit, den Bus fit für die Rallye zu bekommen. In Österreich drohte bereits das frühe Aus unseres Projektes. Diagnose: Motorschaden. Mit etwas Glück konnte ich das Problem schnell lösen und den Bus nach Deutschland überführen. In den nächsten Wochen wurde viel geschraubt und wichtige Komponenten ersetzt. Erst zwei Tage, bevor es nach Hamburg gehen sollte, zogen wir die letzten Schrauben an. Im Hinterkopf immer die Frage: Wird der Bulli es schaffen? Mit einem gewissen Risiko machten wir uns auf den Weg nach Hamburg, wo am 18.06. der offizielle Startschuss fallen sollte. 

 

Start: Hamburg

Und dann war es soweit. Die 200 Teams machten sich auf den Weg gen Norden. Die Vielfalt an Fahrzeugen und Charakteren hätte größer nicht sein können: Vom Leichenwagen über Feuerwehrfahrzeug bis hin zur sog. Heckflosse war alles dabei. Zum Start bekam jedes Team das Roadbook in die Hand, welches die Challenges für die kommenden 16 Tage bereithielt. Mit einer Maximalgeschwindigkeit von 80km/h machten auch wir uns auf den Weg nach Dänemark und Schweden – der ersten Etappe nach dem Start.

Es geht los – wir mit dem Bulli auf der Startrampe zum BSC 2016

 

Tag 1: Dänemark

Bei einem Tankstopp in Dänemark mussten wir feststellen, dass wir ungewöhnlich viel Motoröl verlieren. Es tropfte regelrecht aus dem Motor. Unter diesen Umständen konnten wir auf keinen Fall die noch bevorstehenden 8.000km angehen. 

Nach einem kurzen Brainstorming mit anderen Teams konnte das Problem analysiert werden. Nun versuchten wir, das entsprechende Ersatzteil zu finden, um das Problem möglicherweise noch in Dänemark beheben zu können. In Südamerika hatte ich oft Hilfe in lokalen VW-Clubs gefunden. Vielleicht klappte das auch in Dänemark? Nach kurzer Recherche fand ich den Aircooled Wings Club Copenhagen, dessen Mitglieder sich bestens mit luftgekühlten Boxermotoren auszukennen schienen. Nach einem kurzen Chat über Facebook machte sich mein Verbündeter auf der anderen Seite auf die Suche nach dem Ersatzteil. Kurze Zeit später jedoch der ernüchternde Rückruf. Er hatte das gesuchte Teil kurz vorher in einem anderen Motor verbaut. 

Doch wir wollten uns so leicht nicht geschlagen geben und überlegten, welche Möglichkeiten wir noch hätten. Mit reduzierter Geschwindigkeit versuchten wir erst einmal, nach Schweden zu kommen. Außerdem füllten wir nun dickeres Öl in den Motor, in der Hoffnung, den Ölverlust so eindämmen zu können. In regelmäßigen Abständen checkten wir den Ölstand – unsere Strategie schien aufzugehen.

 

Tag 2-4: Schweden

Mit einer reduzierten Maximalgeschwindigkeit von nun nur noch 70km/h setzten wir die lange Fahrt durch Schweden fort. Eine vom Veranstalter gestellte Challenge, die sich über die komplette Rallye zog, war es, eine blaue Büroklammer in jedem Land höherwertiger zu tauschen – so wie einst Kyle MacDonald, der es bis zu dem Besitz eines Hauses schaffte. In Deutschland hatten wir diese bereits gegen ein Paar sternenförmige Glitzerohrringe eingetauscht. 

Vor allem in den ländlichen Gebieten Schwedens sahen wir am Straßenrand oft Schilder mit dem Wort „Loppi“ drauf. Sascha wusste, dass es sich hierbei um eine Art Trödelhändler handelte. Unsere Chance also, die frisch erworbenen Ohrringe weiter zu tauschen.

Es brauchte eine Weile, bis der Loppi-Besitzer unser Anliegen verstanden hatte. Als Tauschobjekt bot er uns eine russische Obladenschachtel aus Pappe an – leer versteht sich. Wir hatten Bedenken, diese später wieder tauschen zu können und fragten nach einem anderen Tauschobjekt. Letztendlich verließen wir den Laden mit einer schönen alten norwegischen Zinkvase.

Eine Tages-Challenge für Schweden trug den harmlos klingenden Namen „Surströmming-Drive“. Beim Surströmming handelt es sich um eine schwedische Delikatesse, die jedoch beim Großteil der Menschen außerhalb des Landes eher einen Brechreiz auslöst. Es ist ein barstig stinkender fermentierter Fisch aus der Dose. Die Challenge bestand nun darin, diese Dose mind. 200km geöffnet im Auto zu transportieren. Da wir die wertvollen Punkte dringend brauchten, kauften wir beim nächsten Supermarkt eine Dose und verstauten diese im hinteren Bereich des Bullis. Nase zu und durch! 

Wir sind ohne GPS auf den langen Straßen Skandinaviens unterwegs…

 

Tag 4-7: Norwegen

Unser persönliches Rallye-Highlight in Norwegen war die offizielle BSC-Party auf den Lofoten. Zum ersten Mal seit Hamburg trafen sich hier alle Teams, um gemeinsam die Sommersonnenwende vor beeindruckender Kulisse zu feiern. Ein Team stach dabei besonders heraus. Die Männer vom Team „Hot Summer Nights“ hatten an ihrem BMW Cabrio einen Wohnanhänger angebracht. Gerüchten zu Folge sollte sich darin eine Sauna befinden. Am Strand der Lofoten war der Moment gekommen, dieses Geheimnis zu lüften. Und tatsächlich: Im Inneren des Aluminium-Anhängers befand sich ein gusseiserner Holzofen, der einen abgetrennten Raum auf Temperatur brachte. Unglaublich! Nach gut 15min des Saunierens sprangen wir heraus und rannten ins eiskalte Wasser des Polarmeers. 

Das nächste Ziel sollte das Nordkap sein – der nördlichste Punkt Europas. Vor allem für den Bulli und mich war dies ein besonderer Moment. Rund 15 Monate zuvor waren wir im tiefen Süden Chiles aufgebrochen und seitdem rund 25.000km gen Norden gefahren. Unglaublich, wenn man bedenkt, wie viele Länder, Kulturen und Klimazonen wir in dieser Zeit durchquert hatten.

Um ans Nordkap zu gelangen, mussten wir noch einen knapp 7km langen Tunnel durchqueren. Das Besondere daran: Er liegt an seiner tiefsten Stelle über 200m unter dem Meeresspiegel und die Steigung von 10% war in unserem Bulli deutlich zu spüren. Wir erreichten die tiefste Stelle um punktgenau 0:00 Uhr, was Saschas Geburtstag einläutete.

Der Bulli am nördlichsten Punkt Europas – das Nordkap

 

Tag 8: Finnland

Da es nun nicht mehr weiter nach Norden ging, machten wir uns auf den Rückweg nach Hamburg. Sieben Länder standen uns aber noch bevor. Der Weg führte zunächst nach Finnland. Leider nur für kurze Zeit, da die Grenzen zu Russland aufgrund der Flüchtlingssituation geschlossen waren. Die einzige passierbare Grenze im Norden Russlands befindet sich zu Norwegen in der Nähe von Kirkenes. Um dorthin zu gelangen, nahmen wir die Route durch Finnland.

In diesen Breitengraden leben nicht viele Menschen. Dafür jedoch umso mehr Rentiere, die unseren Bus entlang der Straße begleiteten. Im gemütlichen Tempo schlängelten wir uns um die unzähligen Seen durch saftig grüne Nadelwälder. Wenn überhaupt ein anderes Auto zu sehen war, gehörte dies fast ausschließlich zur Rallye.

Birthday Party on the Road – auf langen finnischen Straßen machten wir einen Stopp, um Saschas Geburtstag zu zelebrieren

 

Tag 9-11: Russland

Bis zur russischen Grenze hatte man die Ländergrenzen, wenn überhaupt, nur durch ein kleines Schild am Straßenrand wahrgenommen. Die Veranstalter hatten bereits vorgewarnt, dass man an den russischen Grenzen viel Zeit einplanen sollte. Aus diesem Grund versuchten wir, die Grenze noch am späten Abend vor den meisten anderen Teams zu überqueren.

Die Ausreise aus Norwegen verlief erwartungsgemäß problemlos. Spannend wurde es auf der russischen Seite. Mit dem Visum im Pass schien dies zunächst kein Problem zu sein. Die Einfuhr des Autos entwickelte sich jedoch zu einer größeren Challenge. Die Grenzbeamten verlangten nach den Zulassungspapieren – im Original. Alles was ich aber vorzuweisen hatte, war eine lausige Kopie einer Kopie des Duplikates meiner chilenischen Zulassung für den Bulli. Zugegebenermaßen war ich schon etwas naiv, zu glauben, dass das reibungslos funktionieren würde. Aber immerhin bin ich mit diesem Wisch durch ganz Südamerika gefahren, konnte den Bulli nach Europa verschiffen und in Deutschland einführen. In Russland ging es aber definitiv nicht weiter damit. Dabei hatten wir uns so auf Russland gefreut. Wir konnten uns hier nicht geschlagen geben!

Nach mühevollen Versuchen der Verständigung wurde klar, dass ein Originaldokument organisiert werden musste. Ich glaube, die Beamten hatten keine Ahnung, wo Chile liegt. Nach kurzer Ratlosigkeit tat sich doch noch eine Möglichkeit auf, wie wir die russischen Beamten zufriedenstellen konnten – mit Hilfe des norwegischen Zolls. Doch dort mussten wir erst einmal hinkommen. Im Gegensatz zu unserem Fahrzeug waren wir bereits mit Stempel im Pass eingereist und mussten erst durch den Ausreiseprozess. Das Problem daran: Unser Visum wäre damit „verbraucht“ und eine wiederholte Einreise nicht möglich. Erneutes Verhandeln mit den Grenzbeamten stand an und so setzten wir die Mühlen der russischen Bürokratie in Bewegung, bis unser Fall beim ranghöchsten Offizier angekommen war. Dieser war schlussendlich in der Lage, unsere Einreise zu annullieren, um die Gültigkeit des Visums aufrecht zu erhalten.

Die Zeit tickte, denn die Grenze hatte nur noch gut 30min geöffnet. Nachdem die Formalitäten vorerst geklärt waren, fuhren wir zurück zum norwegischen Zoll und erklärten unser Problem. Alles, was wir brauchten, war ein Dokument, welches zumindest den Anschein erweckte, es sei durch eine offizielle Behörde ausgestellt worden. Der norwegische Grenzbeamte checkte die Fahrgestellnummern unseres Fahrzeugs, verschwand für ein paar Minuten und kam mit einem gestempelten und unterschriebenen Dokument zurück. Damit ging es zurück zu seinem russischen Pendant. Die Formalitäten kannten wir und die Einreisedokumente hatten wir bereits ausgefüllt. Das norwegische Dokument wurde aufgrund seiner Originalität problemlos anerkannt und plötzlich war alles kein Problem mehr. Wir waren in Russland!

Jetzt konnten wir uns auch wieder den Challenges der Rallye widmen. Diese bestanden in Russland u.a. darin, in Murmansk den ausrangierten Atomeisbrecher Ленин zu finden oder neue Freundschaften zu schließen, indem wir mit einer russischen Familie gemeinsam Abendbrot essen und Vodka trinken. Beide Herausforderungen konnten wir mühelos meistern, sodass der Weiterreise nach Estland nichts mehr im Wege stand.

Abendessen mit Einheimischen – für unseren Kartoffelsack bekommen wir Vodka…viel Vodka

 

Tag 11/12: Estland

In Estland wartete zunächst die zweite offizielle BSC-Party auf uns, wo sich alle Teams wieder trafen. Auch das mit der Sauna hatte es bis hierher geschafft. In der Sauna oder bei einem Bier im Freien tauschten sich die Teams über ihre Erlebnisse der letzten Tage aus.

Ein Highlight des Landes war ein stillgelegtes Arbeitslager, welches wir am Tag nach der Party finden mussten. Mittlerweile war dieses geflutet und zum inoffiziellen Freibad umgewandelt worden. Ein mehr als skurriler Ort! Wir ließen es uns nicht nehmen, in einem der Gebäudekomplexe zu schwimmen und vom Dach der Ruine in das glasklare Wasser zu springen.

Früher Arbeitslager, heute außergewöhnliches Freibad

 

Tag 13: Lettland

Strahlender Sonnenschein und endlos lange weiße Ostseestrände erwarteten uns in Lettland. Die Motivation, unter diesen Umständen im Auto zu sitzen, war gering. Aber wir mussten Strecke machen. Kurz vor der Hauptstadt Riga kapitulierten wir jedoch und suchten uns einen schönen Camp Spot am Strand. Nach ein paar Schleichwegen schienen wir den perfekten Ort gefunden zu haben – wäre da nicht das Schild „Privat“ am Strandzugang gewesen.

Der Ort war einfach zu perfekt, um weiterzuziehen. Also machten wir den Besitzer ausfindig und fragten, ob es in Ordnung wäre, wenn wir für eine Nacht mit dem Bus auf seinem Grundstück parken dürften. Kein Problem! Als Willkommensgruß brachte er uns lokales Bier und selbst eingelegte Gurken. Wir prosteten und quatschten eine Weile, bevor er in sein Haus verschwand. Wir machten es uns auf großen Stämmen Treibholz am Strand gemütlich und entzündeten ein beachtliches Standfeuer. Die Welt war in Ordnung.

Bevor wir am nächsten Morgen weiter in Richtung Litauen aufbrachen, nutzten wir die Gelegenheit, an unserer Tausch-Challenge zu arbeiten. Mittlerweile hatten wir aus der anfangs blauen Büroklammer eine Solarlampe in Form eines Leuchtturms getauscht. Im Gegenzug bekamen wir nun ein kleines Keramikhäuschen. Kein wirklich guter Tausch, aber dennoch cooler Typ.

Unser Beitrag für die Kategorie: Top Gear Cover Shoot

Tag 14: Litauen

In Litauen mussten wir einen weiteren skurrilen Ort ausfindig machen, der in unserem Roadbook unter „Kryžių kalnas“ gelistet war. Es handelte sich hierbei um den „Berg der Kreuze“ – einen Wallfahrtsort der besonderen Art. Unzählige Kreuze unterschiedlicher Größe übersäen den Hügel. Jedes von ihnen trägt eine Inschrift. Unsere Tages-Challenge bestand darin, ebenfalls ein Kreuz mit unseren Namen anzufertigen und aufzustellen. Dies soll Glück bringen und einen Wunsch in Erfüllung gehen lassen.

Kurzerhand basteln, beschriften und platzieren auch wir unser Kreuz

 

Tag 15: Polen

Unser ursprünglicher Plan war es, von Litauen über Kaliningrad nach Polen zu gelangen. Als wir die Grenze der russischen Enklave erreichten, setzte jedoch Ernüchterung ein. Einige Teams kamen uns bereits entgegen und sagten, dass es derzeit nicht möglich sei, die Grenze als EU-Bürger zu passieren. Ein Team hatte bereits 8h an jener gestanden und musste dennoch frustriert umdrehen. Aufgrund unserer letzten Grenzerfahrung mit Russland entschieden wir uns, es gar nicht erst zu probieren und den deutlich längeren Weg direkt nach Polen zu wählen.

Im Vergleich zu den anderen Ländern ist Polen deutlich dichter besiedelt und wir konnten kaum Strecke machen. Bis zur Ziellinie in Hamburg waren es aber noch über 1000km und nur noch weniger als 36h. Erschwerend kam hinzu, dass dem Bulli bereits über 7000km in den Achsen steckten und wir ihm die Müdigkeit sichtlich anmerkten. Der Motor hatte kaum noch Power und selbst die 70km/h Spitze wurde langsam zu einem Kraftakt. Tendenz: weiter sinkend. Irgendetwas stimmte nicht mit unserem bisher treuen Gefährt. An einer Tankstelle widmete ich unserer kleinen Diva etwas mehr Aufmerksamkeit und checkte die Motorabstimmung. Nachdem die Zündung neu eingestellt war, schnurrten wir mit neuer Kraft der deutschen Grenze entgegen.

 

Ziel: Hamburg

Noch vor Eröffnung der Ziellinie rollten wir mit unserem Bulli in die Hansestadt ein. Wir konnten es immer noch nicht glauben, dass wir es ohne nennenswerte Probleme über 8000km um die Ostsee geschafft hatten. Um ehrlich zu sein, war ich am Start zwei Wochen zuvor in Hamburg noch eher skeptisch.

Doch dann erwischte es uns doch noch. Rund 1km vor der Ziellinie riss unser Kupplungszug, sodass sich keine Gänge mehr einlegen ließen. Das Ersatzteil hatte ich dabei und versuchte, dies unter strömendem Regen am Rande einer mehrspurigen Straße zu wechseln. Innerhalb weniger Minuten war das Teil verbaut. Dann folgte allerdings der Schock: Es passte nicht! Das deutsche Ersatzteil war für die südamerikanischen Modelle etwas zu lang, weshalb wir die Kupplung nicht wieder in Betrieb nehmen konnten. Alle Versuche, es wenigstens provisorisch für den letzten Kilometer zu fixen, scheiterten. Und so mussten wir in den sauren Apfel beißen und uns von einem anderen Team unter tosendem Applaus der anderen Teams und zahlreicher Zuschauer ins Ziel schleppen lassen.

Etwas enttäuscht über den Last-Minute-Schaden, aber dennoch deutlich erleichtert begrüßten wir unsere Fans und gaben unser ausgefülltes Roadbook bei der Rennleitung ab. Noch im Ziel konnten wir den Bus reparieren, sodass wir zur Siegerehrung wieder aus eigener Kraft fahren konnten.

 

Fazit

Was ist hängengeblieben aus 10 Ländern in 16 Tagen? Auf jeden Fall viele Eindrücke, viele Begegnungen und viele Kulturen, die in den Wochen nach der Rallye erst einmal verarbeitet werden mussten. Es war ein echtes Abenteuer mit vielen Herausforderungen und tollen Erlebnissen.

Unser Team sammelte im Rahmen der Rallye über 1600 EUR, die wir u.a. der DKMS und Viva con Agua zu Gute kommen ließen. Beim Baltic Sea Circle 2016 sind durch die 200 Teams über 380.000 EUR zusammengekommen. Ein unglaubliches Ergebnis! Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an alle Spender, Sponsoren und weitere Unterstützer unseres Teams!

 


 

Team #197: vanicomearound

Alexander Georgi, geboren 1988 im beschaulichen Torgau, lebte in Berlin, bevor er alles verkaufte und Anfang 2015 nur mit einem Rucksack nach Südamerika flog – one-way! Dort kaufte er sich einen alten VW Bus und fuhr in über einem Jahr rund 20.000km im Zickzack die Anden entlang von Chile bis nach Kolumbien. Zusammen mit seinem Bus kam er zurück nach Europa, um damit an der Charity Rallye des Baltic Sea Circle teilnehmen zu können. Momentan befindet sich der Bus im Auf- und Umbau für sein nächstes großes Abenteuer. Wohin es gehen wird, ist derzeit noch offen. Ziele und Ideen gibt es genug.

Sascha Quade, geboren 1988 in Berlin, lebt und arbeitet als Regisseur und Moderator in Berlin und realisiert seit 2008 eigene Regieprojekte auf nationaler und internationaler Ebene. Seit Abschluss des Kommunikationsstudiums an der Universität der Künste Berlin 2012 widmet sich Sascha dem Storytelling vor und hinter der Kamera. Seine Faszination ist getrieben von Neugier und dem Anspruch, immer wieder andere Perspektiven einzunehmen. 2014 öffnet Sascha in Berlin den „Rudolf11 Workspace“, eine inspirierende Arbeitsumgebung, in der sich Paradiesvögel und Querdenker treffen können, um gemeinsam an neuen Innovationen und Visionen zu basteln. Die Teilnahme am BSC ist Startschuss für weitere Herausforderungen auf der Suche nach ständig neuen Perspektiven.

 

Links:

www.facebook.com/vanicomearound

www.instagram.com/vanicomearound

www.soundcloud.com/sascha-quade (Podcast zur Rallye)

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