

Als Besitzer einer Kreditkarte bin ich es gewohnt überall problemlos an Bargeld zu gelangen. Mittlerweile bieten viele Kreditkartenabieter kostenloses Abheben von Bargeld im Ausland an was vor allem außerhalb der EU ansonsten mit hohen Gebühren verbunden sein kann. Vor allem weil es so einfach ist bin ich es nicht mehr gewohnt größere Mengen an Bargeld bei mir zu haben. Was passiert aber wenn man in ein Land reist, welches bankrott ist?
Bereits vor meiner Reise habe ich von einem spanischen Arbeitskollegen den Tipp bekommen US Dollar nach Argentinien mitzunehmen. Warum wenn wir doch den Euro haben? Er hat mehrere Argentinier in seinem Bekanntenkreis die ganz verrückt nach den grünen Scheinen sind. Der argentinische Peso hat nicht den allerbesten Stand. Mit einer Inflationsrate von offiziell 21,4% in 2014 (nach inoffiziellen Angaben sogar 33,3%) versucht die Regierung mit aller Macht den Einheimischen die glorreichen US Dollar vorzuenthalten – mit wenig Erfolg. Denn viele Argentinier hegen weiterhin großes Vertrauen in die Fremdwährung sodass ein inoffizieller Dollarmarkt, der „Blue Dollar“, entstanden ist. Dessen Raten sind signifikant höher als die offizielle Rate. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft waren es +55%. So viel zum ökonomisch-politischen Hintergrund.
Was macht man also in einem Land, wo man problemlos an die gelobten Scheine kommt? Richtig, man kauft sie und tauscht diese dann vor Ort zur „Blue Rate“. Ich habe bereits von Argentiniern gehört die nach Uruguay gefahren oder sogar in die USA geflogen sind um mit prallgefüllten Taschen wieder zurückzukommen. Der Gewinn übersteigt um ein Vielfaches die Kosten für Flug und Hotel. Ist das legal? Nein. Es ist aber mittlerweile so populär, dass während des Wetterberichtes neben den offiziellen Wechselkursen auch die „Blue Rate“ angezeigt wird.
Ich bin also dem Rat meines Kollegen gefolgt und habe mir im Vorfeld der Reise ein paar US Dollar in der Torgauer Sparkassefiliale erstanden – zu einem zugegebenermaßen miserablen Wechselkurs. In Buenos Aires angekommen wollte ich aber nicht sofort mit dem Gesetz in Konflikt geraten sondern habe zunächst versucht Geld zur offiziellen Rate vom Automaten zu bekommen. Jedoch hat keine meiner Kreditkarten an keinem der vier Geldautomaten funktioniert. Nicht einmal bei McDonalds wollte man mir ein McFlurry im Austausch mit meiner VISA Karte geben. Obwohl die Dollar sehr gefragt sind war es zu meiner Überraschung nicht möglich damit in Supermärkten zu bezahlen. Ich brauche also dringend Pesos.
Am zweiten Tag musst ich nun aus meinen US Dollar argentinische Peso machen – natürlich zur „Blue Rate“. In diversen Foren und Blogs wurde davor gewarnt das Geld auf der Straße zu tauschen. Tatsächlich ist es so, dass einem in den Hauptstraßen überall „Cambio“ zugerufen wird. Es wird wärmstens empfohlen das Geld von einem Einheimischen tauschen oder zumindest einen vertrauenswürdigen Platz nennen zu lassen insofern ein illegales Tauschgeschäft vertrauenswürdig sein kann. Max kannte eine Wechselstube, die er wiederum von Einheimischen empfohlen bekommen hat. Also war das unser erstes Ziel. Haus #676.
Alles sieht nach einem normalen Hochhaus aus. Wie in so vielen Häusern hier hat auch dieses Haus einen Pförtner. Ich sagte zu ihm auf Spanisch, dass ich Geld tauschen möchte – „Necesito cambiar dinero“. Wortlos streckte er mir eine Karte entgegen auf der einzig „10.E“ stand. Ich versuchte den Anschein zu erwecken, dass ich dies regelmäßig tun würde und ging selbstverständlich in den Aufzug um auf die „10“ zu drücken. Tatsächlich stieg in mir die Nervosität da ich nicht wusste, was mich in „10.E“ erwarten würde. Im 10. Stock vor Tür „E“ angekommen ließ uns ein Türsteher passieren. Der Raum war mit einem Tisch und zwei Stühlen spärlich eingerichtet. Auf dem linken Stuhl saß ein Argentinier der mehrere Tausend Pesos durch die Geldzählmaschine jagte. Ein Mann im Anzug bot mir in feinster Mafiamanier den rechten Stuhl an. „Trescientos Dólares, por favor“, sagte ich. Ebenfalls wortlos tippte er auf seinem Taschenrechner die aktuelle „Blue Rate“ ein. Ergebnis: 4020 Pesos. Sein Buddy reichte uns ein in Schneppsgummi gepacktes Bündel Geld. Während ich überlegte wie viele Schneppsgummis hier wohl am Tag über den Tisch gehen verabschiedete ich mich vom Don und erleichtert verließen wir das Gebäude.
Bis zum nächsten Mal, Don.
Junge junge, da wird selbst der Umtausch zu einem Krimi! Ich glaube die Mafiaente ist wieder unterwegs 😀 Sehr schön geschriebener Artikel.